Flüchtlinge damals und heute

Kennen Sie das? Aus der Flut der Bilder, die wir täglich sehen, tritt manchmal ein einzelnes Foto hervor, das wir erinnern und über das wir mehr wissen wollen. So ging es mir mit der Weihnachtskarte, die uns unser Gundern-häuser Zeitungsträger im Dezember ins Zeitungsrohr steckte. Seit einigen Jahren fertigt Horst Weber jährlich eine neue Grußkarte mit einem historischen lokalen Foto. Zuletzt hatte er, vielleicht weil das Thema so aktuell war, eben dieses Foto gewählt.

Es stammt aus der Bildersammlung des Gundernhäuser Ortschronisten Wilhelm Kraft und wurde 1994 vom Kul-turhistorischen Verein Roßdorf im Fotobuch „Roßdorf vor¬mals. Erster Band. Bilder von Roßdorf und Gundernhau¬sen aus der Zeit von 1845 bis 1945“ veröffentlicht. (Das Buch ist als Neuauflage im Museum Roßdorf erhältlich.)
Doch was zeigt das Bild? „Am 1. September 1939 be-gann der 2. Weltkrieg. Die deutschen Grenzen im Westen wurden von der Wehrmacht besetzt. Aus den grenznahen Gebieten wurde, wegen der unmittelbaren Kriegsgefahr, die Bevölkerung evakuiert. So kamen im September 1939 viele Flüchtlingstrecks durch Gundernhausen. Das Bild zeigt einen solchen in der Hauptstraße“, schrieben die Autoren und Ortshistoriker dazu. Mehr ließ sich über diesen Treck leider nicht erfahren. Die Namen und die Geschichten der Menschen auf den Fuhrwerken bleiben im Dunkeln.
Manche Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern sich aber noch an die Flüchtlinge, die nach Ende des 2. Weltkriegs zu uns kamen. Diese Fluchtbewegungen und Vertreibun-gen waren ungleich größer und folgenreicher als die von 1939. Die Menschen, die damals kamen, haben Roßdorf und Gunderhausen nachhaltig verändert. Aus heutiger Sicht kann man sagen: Sie haben unsere Ortschaften bereichert! Doch auch damals war das Einleben der Neubürger alles andere als einfach (und es wurde ihnen nicht immer leichtgemacht), wie ältere Leute erzählen.
Das Foto und seine Geschichte verweisen zugleich auf einen weiteren wenig beachteten Aspekt der heutigen Fluchtsituation: Die Menschen, die es zeigt, werden heute als „Binnenflüchtlinge“ bezeichnet. Es sind Flüchtlinge oder Vertriebene, die im eigenen Land Schutz suchen. Aktuell gilt: „Mehr als 60 Prozent der etwa 65,3 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, konnten das eigene Land nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR nicht verlassen. Sie werden als sogenannte Internally Displaced People (Binnenflüchtlinge) gezählt. Die meisten Geflüchteten, die Schutz im Ausland finden, bleiben zudem in der Nähe ihrer Heimat. 86 Prozent aller Geflüchteten leben in sogenannten Entwicklungsländern“, schreibt der renommierte Mediendienst Integration.
Sicher, die Zahl der Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen und in Deutschland war 2015 stark gestiegen. Die Hauptlast tragen aber die meist viel ärmeren Nachbarlän-der der Krisenregionen. Alleine der kleine Libanon hatte im Sommer 2016 offiziell zwischen 1,1 und 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen. Nach manchen Schätzungen sind es sogar 2 Millionen. Damit „wäre bei rund viereinhalb Millionen Einwohnern fast jeder Zweite ein syrischer Flüchtling“, schriebt ZEIT online im Juli 2016.
Susanne Felger, AK Asyl Roßdorf-Gundernhausen

Aus dem Alltag in der GU am Sportzentrum

Mittlerweile haben sich viele Flüchtlinge in ihren behelfsmäßigen Ein-Raum-Wohnungen in der Gemeinschaftsunterkunft beim Sportzentrum eingewöhnt. Die etwa 60 Männer und Familien aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Pakistan, Somalia, Eritrea und Äthiopien gehen teilweise in die Schule. Teilweise nehmen sie an Sprachkursen freier Träger teil. Einige erhalten zweimal die Woche von Roßdörfer Ehrenamtlichen des Asylkreises Sprachunterricht. Ein paar Menschen konnten schon in vorübergehende Helfertätigkeiten vermittelt werden.
Um sowohl das Kochen als auch die Nutzung der Duschen und WCs einfacher zu gestalten, haben sich die Bewohner in Gruppen eingeteilt. Diese Gruppen übernehmen auch die Reinigung der Sanitäreinrichtungen.
Den Müllcontainer-Platz säubert hier Michael Tedgahuney. Er kam aus Eritrea und hat nun – wie drei andere Flüchtlinge auch – von der Gemeinde Roßdorf einen Job als Hilfe bei Gemeindearbeiten erhalten. Alle vier Flüchtlinge sollen die Gemeindearbeiter mit 30 Stunden pro Woche unterstützen. Dafür erhalten sie im Rahmen des hessischen Projekts FIM -Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen in den Arbeitsmarkt – 80 Cent pro Stunde.
Die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft sind aufgeschlossen und freuen sich, wenn Sie mal vorbei- und reinschauen.
Café International
Das Café International am letzten Samstag war wieder gut besucht, sowohl von ehrenamtlich Engagierten als auch von in Roßdorf lebenden Flüchtlingen. Für das nächste Café International am 18.02.17 von 14 – 17 Uhr im Bürgerzentrum Neue Schule freuen wir uns wieder über Kuchen- bzw. Kaffeespenden: kleiner Aufwand – große Geste! Infos bei Ute Storch 06154-695820
Engelbert Jennewein, Arbeitskreis Asyl Roßdorf/Gundernhausen

Café International zum letzten Mal dieses Jahr

Wir laden ein zum Café International im Elisabeth-Haus an der evangelischen Kirche in Roßdorf am Samstag, den 17. Dezember von 14 – 17 Uhr.
Das Café International mit Mitbring-Buffet ist für alle Interessierten geöffnet. Über Plätzchen- und Kuchenspenden freuen wir uns.
Schauen Sie doch einfach vorbei und lernen Sie Menschen, die sich im Asylkreis engagieren und Flüchtlinge, die in unserer Gemeinde leben, kennen.
Jutta Quaiser, Asylkreis

Asylsuchende freuen sich über gespendete Fahrräder

Asylsuchende freuen sich über gespendete Fahrräder
Im November hatte der Asylkreis die Bevölkerung zu Fahrradspenden aufgerufen. 23 Fahrräder wurden in beiden Ortsteilen gespendet, vom fast neuwertigen Fahrrad bis zum Oldtimer. Unsere Fahrradgruppe prüfte alle Fahrräder und setzte sie, wo nötig, in Stand. Aus Spendenmitteln und gesponsert durch die Firma Wellmannbike sind jetzt alle Fahrräder mit Kettenschloss, Licht und Reflektoren ausgestattet.
Warum Fahrräder für Flüchtlinge?
Mobilität ist auch für Flüchtlinge wichtig: zum Einkaufen, für Behörden- und Arzttermine, um einen Arbeitsplatz oder die Schule zu erreichen.
Da die Flüchtlinge nur über geringe finanzielle Mittel verfügen, ist jede Busfahrt teuer. Abends ist das Angebot des ÖPNV eingeschränkt. Und die Wohnanlage für Asylsuchende an der Zahlwaldhalle liegt außerhalb Roßdorfs.
Die Fahrräder wurden am letzten Samstagvormittag an die Flüchtlinge verteilt. Die Ehrenamtlichen der Fahrradgruppe halfen bei der Auswahl der richtigen Größe und der richtigen Einstellung der Sättel. Wie das Licht in Betrieb genommen wird, wurde bei Bedarf geklärt. Einige starteten gleich zu einer Testfahrt.
Ein Eritreer wird das Fahrrad nutzen, um zur Arbeitsstelle nach Arheilgen zu fahren. Für eine somalische Familie mit Kleinkind wird der Transport der Einkäufe leichter. Wenn es auch noch einen Spender für einen Kinderfahrradsitz geben sollte, kann das Kind einfacher in den Kindergarten gebracht werden. Einige Menschen freuen sich einfach auf Radtouren, mit denen sie die Umgebung erkunden können.
In zwei Wochen wird die Fahrradgruppe wieder zur Wohnanlage an der Zahlwaldhalle kommen, um gemeinsam mit den Asylsuchenden erste Reparaturen durchzuführen. Dabei werden die Menschen angeleitet, die Reparaturen selbst auszuführen und sich gegenseitig zu helfen.
Diesen Reparaturservice bietet die Gruppe auch bei in Roßdorf lebenden unbegleiteten jungen Flüchtlingen an. Frieder Kaufmann berichtet, dass ihn dort ein junger Mann überrascht hat, der geduldig „Achter“ aus deformierten Rädern entfernen kann. Das hat er schon in seiner Heimat gelernt.

DIE WEISSEN KOMMEN Ein Theaterstück über Afrika. Über uns. Gastspiel der Berliner Compagnie

Im fast voll besetzten Sonnensaal begrüßte Johannes Borgetto vom örtlichen AK Asyl am letzten Dienstag die zahlreichen Gäste aus Roßdorf, Gundernhausen und Darmstadt. Zusammen mit dem Koordinationskreis Asyl Darmstadt hatte der AK Asyl die renommierte Berliner Compagnie für ein Gastspiel nach Roßdorf in den Sonnensaal geholt.
Möglich wurde das Gastspiel durch das Engagement der Ehrenamtlichen und die Unterstützung durch die Sponsoren Haftpflichtkasse Darmstadt, ENTEGA, EnviroChemie, Sparkasse Darmstadt und den Kreisausländerbeirat. Die Gemeinde Roßdorf stellte den Sonnensaal kostenlos zur Verfügung.
In Vertretung der Bürgermeisterin richtete der 1. Beigeordnete Karl-Heinz Rück ein Grußwort an die Anwesenden und überreichte an Jutta Quaiser sowohl eine kleine Zuwendung für den Asylkreis als auch den Schlüssel für den Asylkreisraum an der neuen Gemeinschaftsunterkunft.
Zum Theaterstück: Die Not ist groß in Afrika. Das merken wir in Deutschland nicht erst, seit immer mehr afrikanische Flüchtlinge zu uns kommen. Doch wo liegen die Ursachen? Wer sich darüber Gedanken macht, denkt zuerst an schlechte Regierungsführungen in Afrika oder an Fehler bei der Entwicklungshilfe. Doch ist das alles? Was haben die fehlenden Perspektiven in Afrika mit uns zu tun?
„Investieren Sie in Afrika! Kaufen Sie Aktien/Fonds von Banken und Konzerne, die sind in Afrika engagieren!“, derart umworben gerieten die Theaterbesucher rasch hinein in den Wirbel global-afrikanischer Beziehungen.
Dabei konfrontiert die Berliner Compagnie die Zuschauerinnen und Zuschauer mit einem kritischen Blick auf die Geschichte und Gegenwart: Wie funktionieren Kolonialismus und Unterdrückung damals und heute? Wer profitiert davon? Wer zahlt die Zeche? Wer hat die Macht? Aber auch: Wie gelingt Widerstand?
Die vier Schauspielerinnen und Schauspieler unternahmen mit dem Publikum einen rasanten Ritt: von der Kolonialgeschichte über die schwarzen Befreiungskämpfe bis in die Gegenwart.
Eingebettet waren die packenden Szenen in eine Art Computerspiel, in dem ein allmächtiger „gamemaster“ das Einhalten der Regeln überwacht. Nur Spieler, die den Wettlauf um den ganz großen Gewinn ohne Skrupel vorantrieben, erreichten das nächste Spielniveau. Wer versagte, war Ruck Zuck degradiert und musste als Schwarzer weiterspielen. Diese pfiffige Rahmenhandlung und das ausdrucksstarke Spiel der Compagnie ermöglichte facettenreiche Einblicke und viele Perspektivenwechsel.
Es wäre nicht politisches Theater vom Feinsten und nicht die Berliner Compagnie, würde es am Ende nicht doch gelingen, die wahren Profiteure und ihre Vernebelungspraktiken zu entlarven. Die Spieler/innen auf der Bühne jedenfalls konnten sich aus dem unmenschlichen Spiel befreien!
Die Theaterbesucher/innen gingen, nach anhaltendem Applaus, eher nachdenklich nach Hause. Zu hören war Anerkennung dafür, dass es solch ein politisches Theater heute noch gibt und dass es in Roßdorf so breite Resonanz fand.
Die-Weissen-kommen

„Deutschland ist Freiheit“ – Mahamed’s Geschichte Wer sind die Menschen, die nach ihrer Flucht nach Roßdorf kommen? Was haben sie erlebt? Was wünschen sie sich? Von diesen Menschen wollen wir erzählen.

Mahamed (28) war ein Jahr unterwegs. Er floh – wie viele vor ihm – aus der Diktatur in Eritrea über Äthiopien, den Sudan, Libyen und Italien nach Deutschland: Zuerst zu Fuß, dann per Auto durch die Sahara, später mit einem Leck geschlagenen Schiff über’s Mittelmeer, wo die italienische Marine die Schiffbrüchigen rettete. Damals war er 24 Jahre alt. „Warum hast du diesen gefährlichen Weg gemacht“, wollte ich wissen. „Wenn du in Eritrea nach der 11. Klasse weiter zur Schule gehen willst, musst du in die Stadt gehen. Die Schule dort ist aber keine normale Schule, so wie in Deutschland. Es sind acht Monate Schule und vier Monate Militärdienst pro Jahr. Du kannst nicht zur Schule gehen, ohne auch Soldat zu sein! Und wenn du nicht sehr gut in der Schule bist, darfst du nicht weiter lernen. Dann musst du ganz und gar Soldat werden“, erzählt Mahamed. Alle jungen Leute, Männer wie Frauen, müssen viele Jahre lang Militärdienst leisten. „Deshalb flieht jeder, der kann. Das Land verliert seit vielen Jahren seine Jugend! Das ist eine Katastrophe für das Land und die Menschen dort.“
So ist es auch in Mahameds Familie: Er hat noch sieben Schwestern. Eine lebt in Holland, eine in Südarabien, eine in Libyen. Die anderen Geschwister und seine alten Eltern sind noch Zuhause, aber es ist schwer, Kontakt zu halten. In seinem Dorf gibt es keine Telefonverbindung.
Seit drei Jahren ist er nun in Deutschland und hat inzwischen eine Aufenthaltsgenehmigung. Zusammen mit seinem Neffen (21) wohnt er in einem kleinen Zimmer in der Gemeinschaftsunterkunft In den Leppsteinswiesen. In den letzten Monaten hat Mahamed intensiv Deutsch gelernt. Endlich durfte er in Darmstadt einen Sprachkurs besuchen. Inzwischen versteht und spricht der sehr sympathische junge Mann schon recht gut Deutsch. Aber er will weiter lernen, am liebsten einen Beruf! Sein Wunschberuf ist Tischler oder ein anderes Handwerk. Er hofft, dass er bald (wenn er sein B1-Deutschzertifikat hat) ein Berufspraktikum im Betrieb machen kann und danach eine Ausbildung. Ganz ohne Schule oder Ausbildung wird ihm die Zeit lang; er will etwas tun!
Gerne möchte er auch wieder Fußball spielen. In Klein-Umstadt, wo er vor Roßdorf wohnte, war er ein Jahr lang im Fußballverein. Hier hat er bislang noch keinen An-schluss gefunden.
Sobald seine nächsten Schritte geklärt sind, wenn er eine Ausbildung oder eine Ausbildungsvorbereitung machen kann, wünscht er sich auch eine eigene kleine Wohnung oder ein eigenes Zimmer. Er weiß, dass es sehr schwer ist, etwas Passendes zu finden. Mahamed ist da realistisch, aber auch zielstrebig. Denn er weiß: Das Zusammenleben mit seinem Neffen auf engstem Raum tut beiden nicht gut. Das soll sich bald ändern!
Danach gefragt, wie sich der Alltag in Eritrea und Deutschland unterscheidet, erzählt er: „Wenn Zuhause vier junge Leute in der Öffentlichkeit zusammensitzen und auch nur Kaffee trinken, kommt gleich die Polizei und jagt sie weg. Polizei und Regierung sind sehr misstrauisch! Sie vermuten überall die Opposition. Ganz schnell ist man im Gefängnis. In Deutschland gibt es Freiheit und nicht ständig Stress mit der Polizei. Außerdem gibt es hier Freiheit für die Religionen. Hier darf jeder glauben, was er will. Deutschland ist Freiheit! Hier ist alles okay“, sagt Mahamed und lächelt.
Wer für Mahamed einen Tipp oder ein Wohnungs- oder Praktikumsangebot hat, melde sich bitte bei Barbara Dunker, Tel. 0173-3203064 oder per E-Mail: babs_frisch@yahoo.de.Sie unterstützt Mahamed vom AK Asyl.
Susanne Felger, AK Asyl Roßdorf-Gundernhausen

Ihr großer Wunsch: ein Zuhause in Roßdorf Die Geschichte von Almaz und Josef* Wer sind die Menschen, die nach ihrer Flucht zu uns kommen? Was haben sie erlebt? Was wünschen sie sich? Von diesen Menschen wollen wir erzählen; genauso wie von denjenigen, die sie mit viel Engagement unterstützen.

Vor 2 ¾ Jahren kamen Almaz (38) und ihr Sohn Josef (13) nach kurzen Zwischenstationen in Gießen, Griesheim und Reinheim nach Roßdorf. Seither bewohnen sie in der Gemeinschaftsunterkunft „In den Leppsteinswiesen“ eine kleine Wohnung. Ihr einziges Zimmer hat gerade mal Platz für zwei Betten und einen niedrigen Tisch. Hier spielt sich das ganzes Familienleben ab: Essen, Kochen, Wäschewaschen, Hausaufgaben machen, Deutsch lernen, Freizeit, Schlafen. Dieses Zusammenleben auf engstem Raum wird immer belastender für die beiden, obwohl sie sich wirklich gut verstehen. Können Sie sich vorstellen, auf Jahre mit ihrem Sohn in einem Zimmer zu leben, zumal wenn dieser langsam erwachsen wird?

Eine kleine 2-Zimmer-Wohnung für die beiden wäre so wichtig und ihr dringender Wunsch! Aus der Gemeinschaftsunterkunft dürfen sie jederzeit ausziehen. Am liebsten möchten sie in Roßdorf bleiben, denn hier sind die beiden inzwischen Zuhause. Hier haben sie viele Kontakte und Freunde: Almaz hat eine erste Arbeitsstelle, Josef geht hier zur Schule. Hier wollen sie nach langer Flucht Wurzeln schlagen! Wer kann den beiden helfen?

Almaz und Josef kommen aus Addis Abeba, Äthiopiens Hauptstadt. Dort betrieb die Familie eine kleine Näherei. Eines Tages verließ Almaz Ehemann, Josefs Vater, der Schneider und Politiker war, das Haus und kam nicht zurück. Nie wieder. Alle Nachforschungen blieben ohne Ergebnis: War er verhaftet, war er im Gefängnis oder gar tot? Niemand wusste es. Er blieb verschwunden.

Weil die Verfolger ihres Mannes auch Almaz bedrohten, verließ sie mit Josef ihre Heimat und floh in den Sudan. Dort waren die Lebensumstände aber mehr als schwierig. Es gab keine Zukunft: Keine Schule für den 8-jährigen Josef, keine Arbeit für sie selbst, keinerlei Chance, sich ein neues Leben aufzubauen. Und zurück konnten sie nicht. Nach zwei Jahren flohen sie weiter nach Deutschland und beantragten Asyl. Inzwischen haben sie eine Aufenthalts-gestattung.

Traurig macht Almaz, dass sie zu ihrer Familie Zuhause kaum Kontakt hat. Eine Telefonverbindung herzustellen, sei sehr schwierig, erzählen sie.

Josef erinnert sich kaum mehr an sein Leben in Addis Abeba, nur noch an einen Park mit Spielplatz, sagt er. Sein Zuhause ist jetzt Roßdorf und seine Passion ist Fußball. „Fußball und Schule, das ist sein Leben!“, sagt Almaz lachend. Und ihr Sohn – ein schlanker, hübscher Kerl in Sportdress – strahlt, während er erzählt: 2x pro Woche trainiert der Mittelfeldspieler beim FSV Groß-Zimmern (C-Jugend) und an den Wochenenden hat er wichtige Spiele. Samstags kickt er oft mit seinen Roßdörfer Freunden und natürlich spielt er in der Fußball-AG seiner Schule. Nach einem ersten Schuljahr in einer Darmstädter Intensivklasse zum Deutsch lernen, wechselte er an die Justin-Wagner-Schule. Wie es ihm dort gefällt, wollte ich wissen. „Naja, wie Schule eben ist,“ sagt er. „Schule ist Schule. In Äthiopien hätte ich auch zur Schule gehen müssen. Das hier ist in jedem Fall besser, als nicht zur Schule gehen zu können, wie im Sudan. Dort war das zu teuer. Dafür hatten wir kein Geld,“ erzählt er. In der Justin-Wagner-Schule ist er gut angekommen. Dort hat er Freunde gefunden und ist ein guter Schüler. Inzwischen besucht er die 7. Klasse.

Auch seine Mutter lernt Deutsch: 4x pro Woche übt sie im Deutschkurs des AK Asyl, der ehrenamtlich in der Unterkunft angeboten wird. Zusätzlich lernt sie mit Gerlinde Fritz vom AK Asyl zwei Stunden pro Woche intensiv. „Wir haben viel Spaß und lachen viel, auch über sprachliche Kuriositäten. Doch manchmal fließen auch Tränen, wenn ihre Gedanken nach Äthiopien und zur Mutter schweifen,“ erzählt Frau Fritz.

Almaz versteht inzwischen recht gut Deutsch, doch das Sprechen fällt ihr schwer. Deutsch ist für sie eine fremde Sprache und Schrift. Zuhause sprechen Josef und Almaz Amharisch – ihre Muttersprache und die Landessprache Äthiopiens.

Almaz hat eine Arbeitserlaubnis und einen ersten Putzjob. Nun steht eine weitere Anstellung in Aussicht. Gerne möchte sie mehr arbeiten. Und sie wünscht sich mehr Kontakte zu Einheimischen, um schneller Deutsch zu lernen.

Wer eine kleine Wohnung vermieten kann oder einen Tipp zur Wohnungssuche hat, melde sich bitte bei

Detlef Schultz, 0160-6218820 (mobil) oder
detlef-schultz@t-online.de

Er unterstützt für den AK Asyl die Wohnungssuche von Almaz* und Josef*.
(* die Namen wurden auf Wunsch geändert)

Susanne Felger, AK Asyl Roßdorf-Gundernhausen

„Die einzige Wahl“ – Hazem’s Geschichte Wer sind die Menschen, die auf der Flucht zu uns nach Roßdorf kommen? Woher kommen sie? Was haben sie erlebt? Was wünschen sie sich? Von diesen Menschen wollen wir in loser Folge erzählen; genauso wie von den Menschen, die sie mit viel Engagement unterstützen.

Beim „Café International“ im Bürgerzentrum traf ich Hazem K. Bei Tee und Kuchen kamen wir rasch ins Gespräch. Schnell war er bereit, von sich zu erzählen. Freundlich und geduldig beantwortete Hazem meine Fragen. Wir verstanden uns gut in Englisch, einem bisschen Deutsch und Dank der Übersetzungshilfen auf unseren Smartphones.

Hazem schlug vor, seine Geschichte für uns aufzuschreiben. Er nannte seine Geschichte: „Die einzige Wahl“.

Mein Name ist Hazem, ich bin 26 Jahre alt, komme aus Syrien und bin nun in Roßdorf. Ich habe ein Studium an der Ökonomischen Fakultät der Universität von Damaskus abgeschlossen. Mein Problem begann, nachdem ich mein Studium beendet hatte. Um in meinem Land bleiben zu können und eine Stelle zu finden, hätte ich in der Armee dienen müssen. Aber dort ist Krieg, eine ganz schlimme Situation. Ich denke, da ist nichts gut an diesem hässlichen Krieg!

In dieser Zeit sagten meine Eltern zum ersten Mal zu mir: “Es wäre besser, wenn du das Land verlassen würdest. Du musst deinen eigenen Weg finden.” Ich weiß, es war nicht leicht für sie, mir das zu sagen. So entschied ich, zu gehen. Ich hatte keine andere Wahl.

Am 25. August 2015 begann ich meine Reise. Im ersten Schritt erreichte ich die Türkei. Es gab so viele Schwierigkeiten auf meinem fünftägigen Weg. Das ist lange, denn ich musste die Wüste durchqueren. Aber das war Nichts, im Vergleich mit dem, was danach folgte. Denn das war die Überquerung des Meeres mit einem Schlauchboot. Ich wusste: Das ist verrückt! Aber ich nahm darauf keine Rücksicht; niemand tat das.

Es war schwarze Nacht als das Boot fuhr. Jeder von uns, auch ich, bat Gott, uns zu beschützen. Wir hatten Angst. Aber es gab keinen Weg zurück. Plötzlich sah ich erste Lichter von Straßen und Autos. Da fühlten wir uns alle schon etwas besser. Wir kamen näher ans Festland heran. Vierzig Minuten später war ich auf einer der griechischen Inseln. Wir waren überglücklich. Ich wusste, was nun kam, war nichts gegen diesen Teil der Reise. Ich hatte Europa erreicht.

Von Griechenland aus ging ich nach Mazedonien, dann nach Ungarn, Österreich und schließlich nach Deutschland. Ich reiste mit Bussen, Zügen und zu Fuß. Zwischen Griechenland und Ungarn lief ich 50 Kilometer in Etappen.

Der 14. September 2015 war mein erster Tag in Deutschland. Ich traf viele sehr freundliche Menschen, die helfen wollten. Immer traf ich gute Menschen. Ich habe großen Respekt davor, was sie tun und hoffe, dass ich diese Hilfe irgendwann zurückgeben kann.

Nun beginnt mein neues Leben. Es gibt so viele Dinge, die ich tun muss, um gut in dieser Gemeinschaft anzukommen. Es ist eine große Ehre für mich, wenn ich Teil dieser Gemeinde werden kann. Und ich bin sicher, ich werde das können, weil es hier viele gute Menschen gibt. Sie versuchen, mir das Gefühl zu geben, ich sei hier Zuhause. Vielleicht ist es nicht genug, dafür danke zu sagen, aber das ist das Einzige, was ich jetzt machen kann: Herzlichen Dank allen!”

Aufgezeichnet von Susanne Felger, AK Asyl Roßdorf-Gundernhausen

Einladung zum Asylkreistreffen in Roßdorf Am Dienstag, 12. April 2016 um 19 Uhr in der Hofreite Palmy, Roßdorf-Gundernhausen

Wir laden ein zu unserem Gesamttreffen des Asylkreises.

Am Dienstag, den 12.04.2016 von 19 – 21 Uhr in der Hofreite Palmy, in der Nordhäuser Str. 31 in Roßdorf Gunderhausen

Wir tauschen aktuelle Informationen zur Situation der Flüchtlinge in unserer Gemeinde und im Landkreis aus.  Unsere verschiedenen Gruppen berichten über ihre Aktivitäten und darüber, was als nächstes geplant ist.

Gäste sind herzlich willkommen.

Dolmetscher gesucht Wer kann bei der Verständigung im Alltag helfen?

Wir suchen Dolmetscher, die bereit sind überwiegend vormittags zu übersetzen. Es geht um Hilfe bei der Verständigung mit Sozialarbeitern, bei allgemeinen Dingen im Alltag, bei Behörden, bei Arztbesuchen
oder in Schule und Kita.

Es ist möglich dem Asylkreis eine Telefonnummer anzugeben, die bei Bedarf gewählt werden kann, wenn Verständigungsprobleme auftreten. Die dolmetschende Person muss also nicht unbedingt zu Terminen mitgehen.

Für folgende Sprachen werden Dolmetscher gesucht:

  • Kurmandschi (Nordkurdisch),
  • Arabisch
  • Dari
  • Farsi
  • Tigrinisch
  • Albanisch

Bitte melden Sie sich bei Petra Müller-Menz (petra.mueller-menz@freenet.de) oder Jutta Quaiser (quaiser@t-online.de), wenn Sie bei der Verständigung mit Flüchtlingen helfen möchten.