„Lernen und Gutes für sich und andere tun! Flüchtlingsfrauen engagieren sich">Deutschunterricht AK Asyl

„Lernen und Gutes für sich und andere tun! Flüchtlingsfrauen engagieren sich

Soraya (38) und ihre Familie hatten wir hier letzte Woche vorgestellt. Nun erzählen wir ihre Geschichte weiter…
Sie ist nicht nur alleinerziehende Mutter von vier Kindern, sie jobbt auch und arbeitet ehrenamtlich. Nur als Hausfrau scheint das Leben dieser freundlichen Frau jedenfalls nicht ausgefüllt: Sie sieht, wer Hilfe braucht und hat Ideen, wie man die Welt ein wenig besser machen kann. Besonders liegt ihr das oft harte Leben der Frauen am Herzen. Das merkt man sofort, wenn Soraya ruhig und selbstbewusst erzählt, was sie alles macht.

So wundert es nicht, dass sie kurz nach ihrem Erstkontakt zum Asylkreis, mit ihm zusammen, einen Deutschkurs für Flüchtlingsfrauen initiierte. Gemeinsam mit Engelbert Jennewein, der als pensionierter Lehrer Know-how und viel Erfahrung mitbringt, unterrichtet sie ehrenamtlich seit einigen Monaten mit Ausdauer und Können meist somalische Frauen aus ihrer Nachbarschaft. Dank dieser Arbeit als „Lehrerin, Sprach- und Kulturmittlerin“ findet sich nun 2x wöchentlich eine gut besuchte, stabile Lerngruppe zusammen. Rund 10 Frauen aus Somalia, der Türkei und Rumänien treffen sich in der „Neuen Schule“ zum Deutschkurs. Da ihr Kenntnisstand sehr unterschiedlich ist, gelingt das nur mit sehr individualisiertem Lernen: allein, zu zweit, in Kleingruppen, an den vom Asylkreis mitgebrachten Laptops oder am Computer-Arbeitsplatz der Gemeindebücherei arbeiten die jungen Frauen sehr konzentriert, unter Anleitung von Engelbert und Soraya. Gelernt wird mit Arbeitsmaterialien aus der Erwachsenenbildung, mit Audio-Lernprogrammen und oft mit dem Smartphone in der Hand. Dieses ist als Übersetzungshilfe und mit Selbstlern-Apps ein wichtiges Werkzeug – nicht zuletzt beim Üben allein Zuhause. Immer wieder geht es darum, Deutsch zu hören, zu sprechen sowie die Schrift, Wörter und Grammatik zu üben. Die Frauen sind mit Eifer dabei!

Das gelingt nur, weil sie hier (anders als in den meisten Deutschkursen) ihre kleinen Kinder mitbringen können. Im Wechsel, betreut immer eine der Teilnehmerinnen, teils vom Asylkreis unterstützt, die Kinderschar in einem Nachbarraum. Dort wird gespielt, gebastelt und oft ebenfalls Deutsch gesprochen.

Nicht zuletzt die Betreiber der Wohnblocks im Roßdörfer Gewerbegebiet schätzen Sorayas Sprach-, Kommunikations- und Organisationstalent. Für die alten wie die neuen Hausbesitzer/Vermieter arbeitet und berät sie die Bewohner auf Minijob-Basis im Büro der Hausverwaltung nun stundenweise. Als ich eintraf, wurden gerade die Schlüssel zur neuen Briefkastenanlage ausgegeben.

Bestimmt fordert und fördert dieser Job nicht alle Talente Sorayas, aber er passt zu ihrer aktuellen Lebenslage als Alleinerziehende. Das Büro ist „um die Ecke“ und die Bürozeiten sind mit ihren Familienaufgaben gut vereinbar. Die Hausbewohner/innen jedenfalls schätzen Sorayas Hilfe und kommen mit vielen Fragen und Sorgen zu ihr. Mitunter hilft sie dann als Nachbarin, nicht im Rahmen ihrer Aufgaben im Büro der Hausverwaltung.

Engagiert haben sich die Somalier/innen aus ihrer Nachbarschaft kürzlich auch für ein Wasserversorgungsprojekt in Somlia: Dafür hat Soraya bei ihren Landsleuten erfolgreich gesammelt und über eine internationale Organisation gespendet. Auch kleine Spenden helfen, weil sich viele Menschen beteiligen!

Dies alles ist gelebte Solidarität und Menschenliebe. So werden Roßdörfer Neubürger/innen, die selbst geflüchtet sind, zu Helfer/innen.

Susanne Felger, AK Asyl Roßdorf-Gundernhausen

Viele Talente und eine offene Zukunft Sorayas Weg ">Sorayas Weg

Viele Talente und eine offene Zukunft Sorayas Weg

Soraya (38) lebt, zusammen mit ihren vier Kindern, seit zwei Jahren in Roßdorf. Sie bewohnen ein (zu) kleines Appartement in der Nachbarschaft der früheren Gemeinschaftsunterkunft „In den Leppsteinswiesen“. Nach Deutschland kam die geborene Somalierin im Alter von 15 Jahren mit der Familie ihrer Tante, in der sie aufwuchs. Sie waren vor dem Bürgerkrieg in der Heimat zunächst nach Italien geflohen.

Heute hat Soraya selbst Familie und ist stolz auf ihre Kinder: Der Kleine (4) geht zur Kita, „die Großen“ (10, 13, 15) besuchen den Gymnasialzweig der Justin-Wagner-Schule. Dass sie erfolgreich in der Schule sind, ist Soraya wichtig. „Viele Deutsche denken, nur weil wir dunkelhäutig und Muslims sind, und weil ich Kopftuch trage, wäre uns eine gute Bildung nicht wichtig. Aber das ist falsch!“, betont sie. Ihre Kinder sollen eine gute Ausbildung bekommen. Möglichkeiten, die sie selbst nicht hatte. Denn erst standen der Bürgerkrieg in Somalia und ihre Flucht, später dann ihre Familienverantwortung dem eigenen Lernen im Weg.

Eine Ausbildung zur Verlagskauffrau brach sie ab, als sie schwanger wurde. 2010 siedelte sie nach Großbritannien um, wo ein Teil ihrer Familie lebt. Dort studierte sie später mit dem Ziel, Hebamme zu werden, unterbrach das aber als sich weiterer Nachwuchs einstellte.

Später qualifizierte sie sich zur „teacher assistent“ (Hilfslehrkraft) und unterrichtete Kinder aus zu­gewanderten Familien im Tandem mit einer Lehrkraft. Dabei kamen ihr ihre eigene Bildungsmotivation, ihr Talent mit Menschen umzugehen und ihre Freude am Lernen sowie ihre Sprachkenntnisse zugute.

Soraya spricht vier Sprachen fließend: Italienisch lernte sie in ihrer Zeit in Italien, bevor sie von dort nach Deutschland kam und später nach England ging. Heute ist ihre große Familie über den halben Erdball verstreut, im Kern ist sie aber in der somalischen Kultur, in England und Deutschland zu Hause. Diese Sprachen spricht die Familie. Und glücklicherweise haben Soraya und ihre Kinder inzwischen die deutsche und die britische Staatsangehörigkeit. „Zum Glück, bei diesem Brexit“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Ihr Ehemann und Papa der Kinder lebt noch in London, möchte aber bald zur Familie zurück. Soraya selbst kam 2017 aus London nach Roßdorf, vor allem der Kinder wegen: Sie sollten in einer ruhigen, friedlichen und eher ländlichen Umgebung aufwachsen, weit weg von der Gewalt und offenen Diskriminierung einer Mega-City. „Hier in Roßdorf fühlen wir uns wohl. Hier wollen wir bleiben. Hoffentlich finden wir hier für unsere Familie eine bessere Wohnung. Wir suchen eine Vier-Zimmer-Wohnung. Zurzeit wohnen wir auf sehr engem Raum“, erzählt sie.

Wenn die Kinder noch etwas größer sind, möchte Soraya wieder beruflich lernen oder studieren. Die selbstbewusste, engagierte Frau will finanziell auf eigenen Beinen stehen und nicht auf staatliche Hilfen angewiesen sein. Das ist ihr Herzenswunsch.

Talent, Motivation und Ausdauer dafür hat sie! Bisher fehlen Chancen und passende Lernbedingungen. Erste Schritte macht Soraya derzeit ganz auf eigene Initiative mit ihrem Minijob bei der Hausverwaltung ihrer Unterkunft sowie mit ihrem ehrenamtlichen Engagement. Davon erzählen wir nächste Woche.

Susanne Felger, AK Asyl Roßdorf-Gundernhausen

Roßdorf ist bunt, engagiert und fröhlich! Begegnungsfest des Arbeitskreises Asyl Roßdorf-Gundernhausen">Begegnungsfest 2019

Roßdorf ist bunt, engagiert und fröhlich! Begegnungsfest des Arbeitskreises Asyl Roßdorf-Gundernhausen

Was macht ein tolles Fest aus? Leckeres Essen und Trinken, Spielen, Lachen, Tanzen und Singen… springende Kinder und Menschen im Gespräch: BEGEGNUNG eben und zusammen feiern! Genau das erlebten die rund 80 Gäste und Engagierten beim diesjährigen Begegnungsfest des Asylkreis Roßdorf und Gundernhausen am 7. September 2019. Erstmals im Elisabeth-Haus bot das Haus der Evangelischen Kirche den idealen Raum, trotz wechselhaftem Wetter. Für ein üppiges internationales Buffet mit Spezialitäten aus Somalia, Eritrea und Syrien sorgte eine engagierte Kochgruppe seit dem Vortag. Die schwungvolle Trommelgruppe I NIMBARA sowie Chris Jeffries mit Akkordeon, Gitarre und Gesang brachten den gut besetzten Saal in Schwung. Tanz und gemeinsames Spiel setzten nicht nur die vielen Kinder in Bewegung.

Wer sich in die zauberhaft bunten Fotos der Ausstellung vom „Tupfeltag“ vertiefte, konnte sich von der (Farben-)Freude der Bilder berühren lassen. Unter dem Motto „wir sind nicht weiß, wir sind nicht schwarz, wir sind bunt und einzigartig“ hatten Frauen ihre Körper bemalt und professionelle, großformatige Fotos gemacht, die im großen Saal über den Besucherköpfen hingen.

Die Poster der Aktion „Gesicht zeigen gegen Rassismus“ luden zur Besinnung ein, warum er/sie sich für ein „buntes Roßdorf“ engagiert. Die Anwesenden waren eingeladen, sich mit einem persönlichen Statement und zu beteiligen. So entstanden 15 weitere Porträts aus unserer Gemeinde.

Pfarrer Seeger und Bürgermeisterin Sprößler dankten mit ermutigenden und anerkennenden Worten allen Unterstützer*innen und Engagierten für ihre Zusammenarbeit und ihre vielfältigen Beiträge zu einem rundum gelungenen Fest. Diese wiederum bedankten sich beim Friedenskreis der Ev. Kirchengemeinde für eine Spende zur Weiterarbeit.

Susanne Felger, Asylkreis Roßdorf-Gundernhausen

Auszeichnung für Patty Bouren, Sportcoach in unserer Gemeinde Ernennungsurkunde vom Hessischen Minister des Inneren und für Sport von Bürgermeisterin überreicht.

Während des letzten Gesamttreffens des Arbeitskreises Asyl überreichte Bürgermeisterin Christel Sprößler die Berufungsurkunde zum Sportcoach an Patty Bouren. Die Ernennung erfolgt im Rahmen des Landesprogramms „Sport und Flüchtlinge“. Die Urkunde ist ausgestellt vom Hessischen Minister des Inneren und für Sport, Peter Beuth. Er dankt ihr im Urkundentext für das ehrenamtliche Engagement.

Wir vom Arbeitskreis Asyl freuen uns über die erneute Ernennung von Patty Bouren zum Sportcoach. Sie hat mit ihrem unermüdlichen Einsatz für den Sport bereits in den vergangenen Jahren wertvolle Integrationsarbeit geleistet und eng mit uns zusammengearbeitet.

Das Repair-Café erweitert sein Angebot Jetzt auch mit Fahrradreparaturen

In den letzten beiden Jahren wurden viele Fahrräder aus der Bevölkerung für die Geflüchteten gespendet. Das ermöglicht den Menschen Mobilität im Alltag. Die kleine Fahrradgruppe des AK Asyl hat bei mehreren Terminen die Geflüchteten bei Reparaturen unterstützt und angeleitet. Nicht alle sind aber technisch so versiert, dass sie die Reparaturen selbst ausführen können.

Ein regelmäßiges Reparaturangebot für Fahrräder ist sicher sinnvoll – für alle in Roßdorf und Gundernhausen. Zusammen mit dem Team des Repair Cafés haben wir uns deshalb vorgenommen Fahrradreparaturen während der Öffnungszeiten des Repair Cafés anzubieten. Das Angebot richtet sich dann an alle, die zum Repair-Café kommen.

Ein Mitglied des AK Asyl startet zunächst mit den Fahrradreparaturen. Weitere Ehrenamtliche sind willkommen. Wenn jetzt bald die Fahrradsaison für die Schönwetterfahrer beginnt, benötigt sicher manches Fahrrad eine Reparatur.

Wer mitmachen möchte, melde sich bitte bei Carmen Lau, Tel. 06154 82121, E-Mail: Jottzeh.ellau@gmx.de

Das Repair Café öffnet an jedem letzten Freitag im Monat von 14 – 17 Uhr im Historischen Rathaus: nächster Termin 29.6. Der Mai-Termin fällt wegen des Brückentages aus.

Ehrenamtliche starten das Projekt „Menschen unterwegs“ in Roßdorf und Gundernhausen Hinter jeder Figur steht ein Mensch. Hinter jeden Menschen steht eine Geschichte">Menschen unterwegs

Ehrenamtliche starten das Projekt „Menschen unterwegs“ in Roßdorf und Gundernhausen Hinter jeder Figur steht ein Mensch. Hinter jeden Menschen steht eine Geschichte

Der Arbeitskreis Asyl Roßdorf-Gundernhausen startete am 17.11. während des Café International das Projekt „Menschen unterwegs“ in unserer Gemeinde.

Weltweit sind 60 Millionen Menschen auf der Flucht. 60 Millionen individuelle Geschichten. Geschichten, die jeder hören sollte. Die niederländische Künstlergruppe „Power of Art House“ möchte diesen Menschen mit den Figuren, ein Gesicht geben. Jede Figur ist einer realen Person nachempfunden, zu der es auf der Internetseite www.movingpeople.nu Geschichten aus den Niederlanden und Belgien zu lesen gibt. Indem wir ihre Geschichten erzählen, wollen wir Augen öffnen, Verständnis wecken, Empathie fördern und den sozialen Zusammenhalt stärken.

Mit Zustimmung der Künstlergruppe und Unterstützung des Koordinationskreises Asyl Darmstadt und Umgebung konnten wir in Roßdorf das Projekt „Menschen unterwegs“ starten. Auch hier steht hinter jeder Figur ein Mensch. Hinter jeder Figur steht jetzt auch eine Geschichte, die Susanne Felger aus unserem Arbeitskreis Asyl nach Interviews mit Geflüchteten, die in der Gemeinde leben, geschrieben hat. Wir freuen uns sehr, dass die Bürgermeisterin, Christel Sprößler, das Projekt als Schirmherrin unterstützt. Ab Montag werden auch im Rathaus Figuren des Projekts Platz nehmen. Auf der Homepage https//arbeitskreis-darmstadt.de/mp haben wir alle Geschichten veröffentlicht. Bei den Figuren liegen an den meisten Orten in der Gemeinde unsere Info-Mappen mit den Geschichten aus.

100 Figuren werden die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Asyl an Orten in der Gemeinde z. B. auf Bänken und Mauern, in Geschäften und Arztpraxen verteilen. Wer eine Figur entdeckt, kann sie gerne mitnehmen und an einen anderen Ort setzen. Die Organisatoren des Straßenkunstprojekt freuen sich, wenn mit Fotos der Figuren über Instagram #menschenunterwegs gezeigt wird, wo die „Menschen unterwegs“ sind, gerne mit Ortsangabe. Sie können die Fotos auch an j.quaiser@gmx.de e-mailen.

Jutta Quaiser, Arbeitskreis Asyl Roßdorf-Gundernhausen

„Wir wollen uns eine Zukunft bauen.“ Die Geschichte von Pietro, Elham und Amir

„Wir wollen uns eine Zukunft bauen.“ Die Geschichte von Pietro, Elham und Amir

Hier sind Menschen zusammen, die miteinander vertraut sind, die sich wertschätzen und mögen. Das merkt man gleich, denke ich, als wir am Esstisch von Almuth B. zusammensitzen. Sie hatte mich mit Pietro (35) sowie mit Elham (34) und ihrem Sohn Amir (10) zusammengebracht, denn sie unterstützt diese „bei bürokratischen Dingen“ sowie bei der Wohnungssuche, erzählt sie.

Pietro lebt seit einem Jahr in Roßdorf. Elham und ihr Sohn kamen vor drei Monaten in unsere Gemeinde, auch sie sind seit einem guten Jahr in Deutschland. Kennengelernt haben sie sich erst hier, in einer Kirchengemeinde in Frankfurt. Dabei verbindet sie eine ähnliche Geschichte: Sie sind als konvertierte Christen aus dem Iran geflohen und sind hier als Flüchtlinge anerkannt. Allerdings muss in drei Jahren überprüft werden, ob sich die politische Situation im Iran soweit verbessert hat, dass sie zurückkehren können – womit jedoch niemand wirklich rechnet.

Alle drei wohnen in der Gemeinschaftsunterkunft an der Zahlwaldhalle und suchen dringend eine bessere Bleibe. Sie sehnen sich nach einem Zuhause – sehr gerne gemeinsam. Sie wünschen sich, als Familie zusammenzuleben und wollen sich eine Zukunft in Deutschland aufbauen. In der Containerunterkunft ist daran nicht zu denken. Nun lernen sie Deutsch und versuchen, wichtige Dokumente aus dem Iran zu besorgen.

Amir besucht die 3. Klasse der Rehbergschule und ist ein wirklich guter Schüler. Der aufgeweckte Junge geht gerne zur Schule. Dort hat er Freunde. Er spricht schon prima Deutsch. Offenbar ist er sehr musikalisch. Kurz vor seiner Flucht hatte er begonnen, Klavier zu lernen. Sehr gerne würde er weitermachen. Vielleicht findet sich ja jemand, der ihn unterrichten kann oder die Gebühr für die Musikschule spendet?

Seine Mutter Elham, eine zarte, freundliche Person, hat bereits den ersten Deutschkurs abgeschlossen und versteht mich gut. Ab Februar 2018 lernt sie weiter in einem A2-Kurs in Darmstadt, denn die deutsche Sprache ist der Schlüssel zur Zukunft, weiß sie. Zuhause hatte Elham 12 Jahre in einem Büro der größten privaten Fluggesellschaft im Iran gearbeitet. Ihre Liebe gehört jedoch der Musik und dem Tanz. Privat, ja fast heimlich, hatte sie eine mehrjährige professionelle Tanzausbildung gemacht – nicht ungefährlich in der Islamischen Republik Iran!

Pietro ist groß, er überragt die beiden um Längen. Seine Augen lächeln, wenn er erzählt. Er spricht flüssig Englisch, Deutsch versteht er etwas. Ab Januar hat er nun einen Platz in einem Deutschkurs. Sein Buchhalter-Studium im Iran hatte er nicht beendet. Das war wohl eher der Wunsch seiner Familie, als sein eigener. Gearbeitet hat er als „Techniker“ auf der Großbaustelle eines Staudamms und war dort für die Betonqualität zuständig. Er scheint eher ein Handwerker zu sein, der zupacken kann. Als Elektriker, Mechaniker und Schweißer hat er schon gearbeitet, erzählt er – und er ist ausgebildeter Rettungsschwimmer. Offenbar hat Pietro viele Talente! Er weiß, dass es nicht einfach wird, hier beruflich Fuß zu fassen. Doch er ist tatkräftig und ein positiv denkender Mensch. Er wird seinen Weg machen, denke ich.

Allen dreien wünsche ich sehr, dass sie sich in Roßdorf eine Zukunft aufbauen können! Dafür arbeiten sie mit viel Energie und gut unterstützt von Einheimischen wie Frau B. Ein Meilenstein und Herzenswunsch wäre für sie eine bezahlbare Wohnung zu finden (bis 600 € Kaltmiete für max. 75 qm, die Mietzahlung ist gesichert).

Wer eine Wohnung vermieten kann, einen nützlichen Tipp für die Wohnungssuche hat oder Amirs Klavierunterricht unterstützen mag, melde sich bitte mobil unter 0176-43064078 (Frau B.). Sie stellt gerne den Kontakt her.

Susanne Felger, AK Asyl Roßdorf-Gundernhausen

Ein schwieriger Start: Yazans Geschichte Integration braucht Zeit und Chancen

Yazan (19) floh Anfang 2016 zusammen mit einem Onkel und einer Tante und deren Kindern von Syrien über die Balkanroute nach Deutschland. Das war ein weiter, gefährlicher Weg. „Alles war schwierig. Aber am schlimmsten war der Weg über das Meer, mit dem Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland. Da hatte ich Angst, Angst um die Kinder“, erzählt er. Die Jüngsten waren gerade mal zwei und drei Jahre alt und natürlich konnten sie nicht schwimmen. Auf dem Landweg mussten sie getragen werden, tagelang, wochenlang. Oft gab es nicht genug zu essen. Die Familie hatte zwar Geld dabei, aber sie fand selten Geschäfte. Städte und Dörfer vermieden die Flüchtlinge soweit wie möglich, um nicht aufzufallen. Es war kalt auf dem Weg nach Europa im Winter, besonders in ihrer dünnen Kleidung. Glücklicherweise konnten sie etappenweise mit dem Bus oder Zug fahren. Im März 2016 erreichte die Gruppe schließlich Deutschland. Yazan kam im Herbst des Jahres nach Roßdorf. Seine Verwandten leben in Münster und Essen.

In Syrien zurückgelassen hat er seine Mutter und drei jüngere Schwestern; ein Bruder ist in den Libanon geflohen. Sein Vater ist im Gefängnis seit Assads Polizei ihn an einer Straßensperre in der Nähe ihres Dorfes willkürlich verhaftet hatte. Er war auf dem Weg in die nächste Stadt, um seinen Lohn abzuholen. Nun verlangt die Polizei eine unglaublich hohe Summe für seine Freilassung. Solange die Familie nicht zahlt, bleibt der Vater in Haft. Das ist eines der üblichen „Geschäfte“ der Polizisten, meint Yazan – und seine syrischen Freunde, die bei uns sitzen, nicken.
Die Lage seiner Familie geht ihm nahe, das merkt man. Doch Yazan versucht nach vorne zu schauen. Er will in Deutschland Fuß fassen. Und tatsächlich hat er in den letzten Monaten intensiv Deutsch gelernt. Er versteht unsere Sprache bereits gut und erzählt flüssig und lebhaft. Inzwischen hat er einen ersten Deutschkurs absolviert, die B1-Sprachprüfung aber knapp nicht bestanden. Das Lesen und Schreiben fällt ihm noch schwer. Aber er lernt weiter und wiederholt die Prüfung in einigen Wochen. Der sympathische junge Mann nutzt jede Gelegenheit Deutsch zu üben, am liebsten in direktem Kontakt mit Einheimischen. Deshalb hatte er auch ehrenamtlich im Roßdörfer Recycling-Kaufhaus gearbeitet. Später war er, gemeinsam mit anderen Geflüchteten, im Museumsgarten-Projekt aktiv. Seit zwei Monaten hat er nun einen Minijob bei der Firma Ohl in Roßdorf, die Büroeinrichtungen plant und verkauft. Dort hilft er bei der Auslieferung.

Er wünscht sich, eine Ausbildung zu machen, am liebsten in einem IT-Beruf. Informatik und Programmieren interessieren ihn, erzählt er. Mit diesem Ziel vor Augen lernt er Deutsch und versucht, Dokumente aus Syrien zu besorgen, die seinen Schulbesuch bis zur 12. Klasse belegen. Auch das ist nicht einfach, aber Yazan gibt nicht auf!
Wirklich belastend ist die Wohnsituation in der Gemeinschaftsunterkunft an der Zahlwaldhalle. Das Leben in der Container-Unterkunft ist schon bei schönem Wetter nicht sehr angenehm. Obwohl er inzwischen anerkannter Flüchtling ist, muss Yazan dort schon den zweiten Winter überstehen, weil er bisher kein Zimmer fand. Das ist hart, sagt er – und seine Freunde nicken.
Wer Yazan ein Zimmer oder eine kleine Wohnung vermieten kann oder für ihn einen Tipp zur Wohnungssuche hat, melde sich bitte telefonisch bei mir: mobil 0151-42415082.

Susanne Felger, AK Asyl Roßdorf-Gundernhausen

Arbeitskreis sagt Danke für die gespendeten Computerbildschirme

In der letzten Woche hatten wir im Roßdörfer Anzeiger um Computerbildschirm-Spenden gebeten, weil wir Computer gespendet bekamen. In kürzester Zeit erhielten wir von Spendern aus Roßdorf fünf Bildschirme. Dafür sagen wir „Herzlichen Dank“.
Während des Café International hatten wir zwei Computer zum Testen aufgebaut, mit denen gleich interessiert gerechnet, gelesen und geschrieben wurde.
Jetzt können einige Flüchtlinge mithilfe der Computer, der Bildschirme und einer Lernsoftware sowohl Deutsch als auch Mathematik üben. Gegen eine kleine Gebühr können sie sich die Ausrüstung zum Üben ausleihen.

Wir vom Arbeitskreis Asyl bedanken uns für bei den Spenderinnen und Spendern für die schnelle Reaktion.

Schon vormerken.
Willkommens-Kultur-Fest an der Heydenmühle außerhalb Lengfeld 3 am Samstag, den 02.09. von 14 – 21 Uhr mit großem Musikprogramm, Mitbringbuffet organisiert u.a. von KOKAS und der Unterstützung des Arbeitskreises Asyl Roßdorf/Gundernhausen
Begegnungsfest in Roßdorf an der Kubig, am Samstag, den 23.09. von 14 – 18 Uhr mit Musik und Mitbringbuffet organisiert vom Arbeitskreis Asyl Roßdorf/Gundernhausen
Sie sind schon jetzt herzlich eingeladen.

Jutta Quaiser, Arbeitskreis Asyl Roßdorf/Gundernhausen