Auszeichnung für Patty Bouren, Sportcoach in unserer Gemeinde Ernennungsurkunde vom Hessischen Minister des Inneren und für Sport von Bürgermeisterin überreicht.

Während des letzten Gesamttreffens des Arbeitskreises Asyl überreichte Bürgermeisterin Christel Sprößler die Berufungsurkunde zum Sportcoach an Patty Bouren. Die Ernennung erfolgt im Rahmen des Landesprogramms „Sport und Flüchtlinge“. Die Urkunde ist ausgestellt vom Hessischen Minister des Inneren und für Sport, Peter Beuth. Er dankt ihr im Urkundentext für das ehrenamtliche Engagement.

Wir vom Arbeitskreis Asyl freuen uns über die erneute Ernennung von Patty Bouren zum Sportcoach. Sie hat mit ihrem unermüdlichen Einsatz für den Sport bereits in den vergangenen Jahren wertvolle Integrationsarbeit geleistet und eng mit uns zusammengearbeitet.

Das Repair-Café erweitert sein Angebot Jetzt auch mit Fahrradreparaturen

In den letzten beiden Jahren wurden viele Fahrräder aus der Bevölkerung für die Geflüchteten gespendet. Das ermöglicht den Menschen Mobilität im Alltag. Die kleine Fahrradgruppe des AK Asyl hat bei mehreren Terminen die Geflüchteten bei Reparaturen unterstützt und angeleitet. Nicht alle sind aber technisch so versiert, dass sie die Reparaturen selbst ausführen können.

Ein regelmäßiges Reparaturangebot für Fahrräder ist sicher sinnvoll – für alle in Roßdorf und Gundernhausen. Zusammen mit dem Team des Repair Cafés haben wir uns deshalb vorgenommen Fahrradreparaturen während der Öffnungszeiten des Repair Cafés anzubieten. Das Angebot richtet sich dann an alle, die zum Repair-Café kommen.

Ein Mitglied des AK Asyl startet zunächst mit den Fahrradreparaturen. Weitere Ehrenamtliche sind willkommen. Wenn jetzt bald die Fahrradsaison für die Schönwetterfahrer beginnt, benötigt sicher manches Fahrrad eine Reparatur.

Wer mitmachen möchte, melde sich bitte bei Carmen Lau, Tel. 06154 82121, E-Mail: Jottzeh.ellau@gmx.de

Das Repair Café öffnet an jedem letzten Freitag im Monat von 14 – 17 Uhr im Historischen Rathaus: nächster Termin 29.6. Der Mai-Termin fällt wegen des Brückentages aus.

„Wir wollen uns eine Zukunft bauen.“ Die Geschichte von Pietro, Elham und Amir

„Wir wollen uns eine Zukunft bauen.“ Die Geschichte von Pietro, Elham und Amir

Hier sind Menschen zusammen, die miteinander vertraut sind, die sich wertschätzen und mögen. Das merkt man gleich, denke ich, als wir am Esstisch von Almuth B. zusammensitzen. Sie hatte mich mit Pietro (35) sowie mit Elham (34) und ihrem Sohn Amir (10) zusammengebracht, denn sie unterstützt diese „bei bürokratischen Dingen“ sowie bei der Wohnungssuche, erzählt sie.

Pietro lebt seit einem Jahr in Roßdorf. Elham und ihr Sohn kamen vor drei Monaten in unsere Gemeinde, auch sie sind seit einem guten Jahr in Deutschland. Kennengelernt haben sie sich erst hier, in einer Kirchengemeinde in Frankfurt. Dabei verbindet sie eine ähnliche Geschichte: Sie sind als konvertierte Christen aus dem Iran geflohen und sind hier als Flüchtlinge anerkannt. Allerdings muss in drei Jahren überprüft werden, ob sich die politische Situation im Iran soweit verbessert hat, dass sie zurückkehren können – womit jedoch niemand wirklich rechnet.

Alle drei wohnen in der Gemeinschaftsunterkunft an der Zahlwaldhalle und suchen dringend eine bessere Bleibe. Sie sehnen sich nach einem Zuhause – sehr gerne gemeinsam. Sie wünschen sich, als Familie zusammenzuleben und wollen sich eine Zukunft in Deutschland aufbauen. In der Containerunterkunft ist daran nicht zu denken. Nun lernen sie Deutsch und versuchen, wichtige Dokumente aus dem Iran zu besorgen.

Amir besucht die 3. Klasse der Rehbergschule und ist ein wirklich guter Schüler. Der aufgeweckte Junge geht gerne zur Schule. Dort hat er Freunde. Er spricht schon prima Deutsch. Offenbar ist er sehr musikalisch. Kurz vor seiner Flucht hatte er begonnen, Klavier zu lernen. Sehr gerne würde er weitermachen. Vielleicht findet sich ja jemand, der ihn unterrichten kann oder die Gebühr für die Musikschule spendet?

Seine Mutter Elham, eine zarte, freundliche Person, hat bereits den ersten Deutschkurs abgeschlossen und versteht mich gut. Ab Februar 2018 lernt sie weiter in einem A2-Kurs in Darmstadt, denn die deutsche Sprache ist der Schlüssel zur Zukunft, weiß sie. Zuhause hatte Elham 12 Jahre in einem Büro der größten privaten Fluggesellschaft im Iran gearbeitet. Ihre Liebe gehört jedoch der Musik und dem Tanz. Privat, ja fast heimlich, hatte sie eine mehrjährige professionelle Tanzausbildung gemacht – nicht ungefährlich in der Islamischen Republik Iran!

Pietro ist groß, er überragt die beiden um Längen. Seine Augen lächeln, wenn er erzählt. Er spricht flüssig Englisch, Deutsch versteht er etwas. Ab Januar hat er nun einen Platz in einem Deutschkurs. Sein Buchhalter-Studium im Iran hatte er nicht beendet. Das war wohl eher der Wunsch seiner Familie, als sein eigener. Gearbeitet hat er als „Techniker“ auf der Großbaustelle eines Staudamms und war dort für die Betonqualität zuständig. Er scheint eher ein Handwerker zu sein, der zupacken kann. Als Elektriker, Mechaniker und Schweißer hat er schon gearbeitet, erzählt er – und er ist ausgebildeter Rettungsschwimmer. Offenbar hat Pietro viele Talente! Er weiß, dass es nicht einfach wird, hier beruflich Fuß zu fassen. Doch er ist tatkräftig und ein positiv denkender Mensch. Er wird seinen Weg machen, denke ich.

Allen dreien wünsche ich sehr, dass sie sich in Roßdorf eine Zukunft aufbauen können! Dafür arbeiten sie mit viel Energie und gut unterstützt von Einheimischen wie Frau B. Ein Meilenstein und Herzenswunsch wäre für sie eine bezahlbare Wohnung zu finden (bis 600 € Kaltmiete für max. 75 qm, die Mietzahlung ist gesichert).

Wer eine Wohnung vermieten kann, einen nützlichen Tipp für die Wohnungssuche hat oder Amirs Klavierunterricht unterstützen mag, melde sich bitte mobil unter 0176-43064078 (Frau B.). Sie stellt gerne den Kontakt her.

Susanne Felger, AK Asyl Roßdorf-Gundernhausen

Ein schwieriger Start: Yazans Geschichte Integration braucht Zeit und Chancen

Yazan (19) floh Anfang 2016 zusammen mit einem Onkel und einer Tante und deren Kindern von Syrien über die Balkanroute nach Deutschland. Das war ein weiter, gefährlicher Weg. „Alles war schwierig. Aber am schlimmsten war der Weg über das Meer, mit dem Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland. Da hatte ich Angst, Angst um die Kinder“, erzählt er. Die Jüngsten waren gerade mal zwei und drei Jahre alt und natürlich konnten sie nicht schwimmen. Auf dem Landweg mussten sie getragen werden, tagelang, wochenlang. Oft gab es nicht genug zu essen. Die Familie hatte zwar Geld dabei, aber sie fand selten Geschäfte. Städte und Dörfer vermieden die Flüchtlinge soweit wie möglich, um nicht aufzufallen. Es war kalt auf dem Weg nach Europa im Winter, besonders in ihrer dünnen Kleidung. Glücklicherweise konnten sie etappenweise mit dem Bus oder Zug fahren. Im März 2016 erreichte die Gruppe schließlich Deutschland. Yazan kam im Herbst des Jahres nach Roßdorf. Seine Verwandten leben in Münster und Essen.

In Syrien zurückgelassen hat er seine Mutter und drei jüngere Schwestern; ein Bruder ist in den Libanon geflohen. Sein Vater ist im Gefängnis seit Assads Polizei ihn an einer Straßensperre in der Nähe ihres Dorfes willkürlich verhaftet hatte. Er war auf dem Weg in die nächste Stadt, um seinen Lohn abzuholen. Nun verlangt die Polizei eine unglaublich hohe Summe für seine Freilassung. Solange die Familie nicht zahlt, bleibt der Vater in Haft. Das ist eines der üblichen „Geschäfte“ der Polizisten, meint Yazan – und seine syrischen Freunde, die bei uns sitzen, nicken.
Die Lage seiner Familie geht ihm nahe, das merkt man. Doch Yazan versucht nach vorne zu schauen. Er will in Deutschland Fuß fassen. Und tatsächlich hat er in den letzten Monaten intensiv Deutsch gelernt. Er versteht unsere Sprache bereits gut und erzählt flüssig und lebhaft. Inzwischen hat er einen ersten Deutschkurs absolviert, die B1-Sprachprüfung aber knapp nicht bestanden. Das Lesen und Schreiben fällt ihm noch schwer. Aber er lernt weiter und wiederholt die Prüfung in einigen Wochen. Der sympathische junge Mann nutzt jede Gelegenheit Deutsch zu üben, am liebsten in direktem Kontakt mit Einheimischen. Deshalb hatte er auch ehrenamtlich im Roßdörfer Recycling-Kaufhaus gearbeitet. Später war er, gemeinsam mit anderen Geflüchteten, im Museumsgarten-Projekt aktiv. Seit zwei Monaten hat er nun einen Minijob bei der Firma Ohl in Roßdorf, die Büroeinrichtungen plant und verkauft. Dort hilft er bei der Auslieferung.

Er wünscht sich, eine Ausbildung zu machen, am liebsten in einem IT-Beruf. Informatik und Programmieren interessieren ihn, erzählt er. Mit diesem Ziel vor Augen lernt er Deutsch und versucht, Dokumente aus Syrien zu besorgen, die seinen Schulbesuch bis zur 12. Klasse belegen. Auch das ist nicht einfach, aber Yazan gibt nicht auf!
Wirklich belastend ist die Wohnsituation in der Gemeinschaftsunterkunft an der Zahlwaldhalle. Das Leben in der Container-Unterkunft ist schon bei schönem Wetter nicht sehr angenehm. Obwohl er inzwischen anerkannter Flüchtling ist, muss Yazan dort schon den zweiten Winter überstehen, weil er bisher kein Zimmer fand. Das ist hart, sagt er – und seine Freunde nicken.
Wer Yazan ein Zimmer oder eine kleine Wohnung vermieten kann oder für ihn einen Tipp zur Wohnungssuche hat, melde sich bitte telefonisch bei mir: mobil 0151-42415082.

Susanne Felger, AK Asyl Roßdorf-Gundernhausen