Die Gemeinschaftsunterkunft an der Zahlwahlhalle wird abgebaut Alle Asylsuchenden wohnen in Roßdorf und Gundernhausen privat">

Die Gemeinschaftsunterkunft an der Zahlwahlhalle wird abgebaut Alle Asylsuchenden wohnen in Roßdorf und Gundernhausen privat

Im Juni 2016 wurden für max. 120 Geflüchtete zwei doppelstöckige Gebäude aus Containern mit “Blechbüchsen” Zimmern, Gemeinschaftsküchen und Gemeinschaftsbädern errichtet. Geplant war es, max. 120 Personen in der Gemeinschaftsunterkunft unterzubringen. Glücklicherweise wurden die extrem hellhörigen Gebäude nicht mit der maximalen Personenzahl belegt.

Stück für Stück werden aktuell die Wohncontainer an der Zahlwaldhalle zerlegt und abgebaut. Im Landkreis leben momentan ca. 2.500 Geflüchtete, davon ca. 1.800 in zentralen Gemeinschaftsunterkünften. Roßdorf hat nun ebenso wie Fischbachtal keine Gemeinschaftsunterkunft mehr. Der Landkreis hat mehr als 100 Geflüchtete privat in Wohnungen oder bei Wohnungsbaugesellschaften in Roßdorf und Gundernhausen untergebracht. Über die teilweise haarsträubenden Mietpreise bei uns in Roßdorf – selbst für Miniwohnungen und Altbauten – sind wir entsetzt, aber wir begrüßen die Ansätze von Integration vor Ort. Das beengte Wohnen in einer Gemeinschaftsunterkunft, wie wir sie in unserer Gemeinde hatten, mit vielen Menschen an einem Ort erhöht zudem die Ansteckungsgefahr während der Pandemie.

Engelbert Jennewein

„Wir wollen uns eine Zukunft bauen.“ Die Geschichte von Pietro, Elham und Amir

„Wir wollen uns eine Zukunft bauen.“ Die Geschichte von Pietro, Elham und Amir

Hier sind Menschen zusammen, die miteinander vertraut sind, die sich wertschätzen und mögen. Das merkt man gleich, denke ich, als wir am Esstisch von Almuth B. zusammensitzen. Sie hatte mich mit Pietro (35) sowie mit Elham (34) und ihrem Sohn Amir (10) zusammengebracht, denn sie unterstützt diese „bei bürokratischen Dingen“ sowie bei der Wohnungssuche, erzählt sie.

Pietro lebt seit einem Jahr in Roßdorf. Elham und ihr Sohn kamen vor drei Monaten in unsere Gemeinde, auch sie sind seit einem guten Jahr in Deutschland. Kennengelernt haben sie sich erst hier, in einer Kirchengemeinde in Frankfurt. Dabei verbindet sie eine ähnliche Geschichte: Sie sind als konvertierte Christen aus dem Iran geflohen und sind hier als Flüchtlinge anerkannt. Allerdings muss in drei Jahren überprüft werden, ob sich die politische Situation im Iran soweit verbessert hat, dass sie zurückkehren können – womit jedoch niemand wirklich rechnet.

Alle drei wohnen in der Gemeinschaftsunterkunft an der Zahlwaldhalle und suchen dringend eine bessere Bleibe. Sie sehnen sich nach einem Zuhause – sehr gerne gemeinsam. Sie wünschen sich, als Familie zusammenzuleben und wollen sich eine Zukunft in Deutschland aufbauen. In der Containerunterkunft ist daran nicht zu denken. Nun lernen sie Deutsch und versuchen, wichtige Dokumente aus dem Iran zu besorgen.

Amir besucht die 3. Klasse der Rehbergschule und ist ein wirklich guter Schüler. Der aufgeweckte Junge geht gerne zur Schule. Dort hat er Freunde. Er spricht schon prima Deutsch. Offenbar ist er sehr musikalisch. Kurz vor seiner Flucht hatte er begonnen, Klavier zu lernen. Sehr gerne würde er weitermachen. Vielleicht findet sich ja jemand, der ihn unterrichten kann oder die Gebühr für die Musikschule spendet?

Seine Mutter Elham, eine zarte, freundliche Person, hat bereits den ersten Deutschkurs abgeschlossen und versteht mich gut. Ab Februar 2018 lernt sie weiter in einem A2-Kurs in Darmstadt, denn die deutsche Sprache ist der Schlüssel zur Zukunft, weiß sie. Zuhause hatte Elham 12 Jahre in einem Büro der größten privaten Fluggesellschaft im Iran gearbeitet. Ihre Liebe gehört jedoch der Musik und dem Tanz. Privat, ja fast heimlich, hatte sie eine mehrjährige professionelle Tanzausbildung gemacht – nicht ungefährlich in der Islamischen Republik Iran!

Pietro ist groß, er überragt die beiden um Längen. Seine Augen lächeln, wenn er erzählt. Er spricht flüssig Englisch, Deutsch versteht er etwas. Ab Januar hat er nun einen Platz in einem Deutschkurs. Sein Buchhalter-Studium im Iran hatte er nicht beendet. Das war wohl eher der Wunsch seiner Familie, als sein eigener. Gearbeitet hat er als „Techniker“ auf der Großbaustelle eines Staudamms und war dort für die Betonqualität zuständig. Er scheint eher ein Handwerker zu sein, der zupacken kann. Als Elektriker, Mechaniker und Schweißer hat er schon gearbeitet, erzählt er – und er ist ausgebildeter Rettungsschwimmer. Offenbar hat Pietro viele Talente! Er weiß, dass es nicht einfach wird, hier beruflich Fuß zu fassen. Doch er ist tatkräftig und ein positiv denkender Mensch. Er wird seinen Weg machen, denke ich.

Allen dreien wünsche ich sehr, dass sie sich in Roßdorf eine Zukunft aufbauen können! Dafür arbeiten sie mit viel Energie und gut unterstützt von Einheimischen wie Frau B. Ein Meilenstein und Herzenswunsch wäre für sie eine bezahlbare Wohnung zu finden (bis 600 € Kaltmiete für max. 75 qm, die Mietzahlung ist gesichert).

Wer eine Wohnung vermieten kann, einen nützlichen Tipp für die Wohnungssuche hat oder Amirs Klavierunterricht unterstützen mag, melde sich bitte mobil unter 0176-43064078 (Frau B.). Sie stellt gerne den Kontakt her.

Susanne Felger, AK Asyl Roßdorf-Gundernhausen